23.01.14 – Betriebsrente als Pflichtmodell: Frau Nahles, bitte lassen Sie die Finger davon!

Dass die Betriebsrente ein attraktives Modell zur Altersvorsorge ist, wissen mittlerweile viele Arbeitnehmer. Und auch bei den Arbeitgebern sind die Vorbehalte in den letzten zehn Jahren zurückgegangen. Durch die Vorteile bei Steuer- und Sozialversicherung muss ein durchschnittlicher Mitarbeiter gerade einmal die Hälfte des Beitrags für seine Altersvorsorge netto aufwenden.

Mit einem Arbeitgeber-Zuschuss sinkt der Nettoaufwand noch weiter ab und die Effizienz steigt.

Betriebliche Altersversorgung Teil des Employer Branding

PensionCapital - Martin Sauter zur betrieblichen AltersversorgungGeschickt eingesetzt, wirkt die Betriebsrente beim Mitarbeiter als Motivation und leistet für den Arbeitgeber ihren Beitrag zum Employer Branding. „Firmen, die Ihre Betriebsrente als einen Baustein in einem breitgefächerten Angebot an betrieblichen Sozialleistungen verstehen, nutzen und kommunizieren sie nicht nur aktiv, sondern statten sie mit einem Arbeitgeber-Zuschuss aus“, so berichtet Martin Sauter, Geschäftsführer der PensionCapital GmbH München aus seiner Erfahrung. Entgegen der Ansicht von vielen Unternehmen ist es nicht nötig, große Budgets für die Betriebsrente einzuplanen; es reicht in den meisten Fällen aus, die eingesparten Sozialabgaben etwas aufzustocken. „Sicherlich wird eine Betriebsrente allein nicht in allen Fällen den Mitarbeiter dazu bewegen, seinem Arbeitgeber treu zu bleiben. Ansprechend gestaltet und aktiv kommuniziert, machen im Regelfall mehr als 70 Prozent aller Mitarbeiter Entgeltumwandlung.

Bundesregierung plant gesetzliche Regelung

Wenn es nach der neuen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles geht, soll 2014 „das Jahr der Rente“ werden. Laut Koalitionsvertrag will die Große Koalition „die betriebliche Altersversorgung stärken.“ Eine Idee ist ein so genanntes Opting-out-Modell. Das heißt, ein Mitarbeiter wird dazu verpflichtet, eine betriebliche Altersversorgung per se abzuschließen – möchte er dies nicht, muss er sie aktiv abwählen. Hier wird auf positive Erfahrungen in anderen Ländern verwiesen.

Individuelle Lösungen in der Altersversorgung sinnvoller

Allerdings wird dabei übersehen, dass es „DIE“ betriebliche Altersversorgung in Deutschland gar nicht gibt. Fünf unterschiedliche Durchführungswege, verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, zig Gestaltungsoptionen – nur in wenigen Ländern kann die betriebliche Vorsorge so passgenau auf Unternehmen zugeschnitten werden wie bei uns. Eine staatlich verordnete Betriebsrente würde viele Chancen nehmen und zu einer standardisierten per Kapitaldeckung finanzierten zweiten staatlichen Rente führen. Auch hier empfiehlt sich ein unvoreingenommener Blick in die Nachbarländer; nach einigen Jahren Laufzeit zeigen auch diese oft in den 90er Jahren eingeführten Systeme ihre Schwächen.

„Wir sehen hier ein erhebliches Problem in der Umsetzung“, meint Dr. Matthias Falk, Geschäftsführer der PensionCapital GmbH in Bremen. „Bei der betrieblichen Altersversorgung haftet der Arbeitgeber für die Erfüllung der zugesagten Leistungen. Die Auswahl der Partner für eine attraktive Betriebsrente ist aus unseren Erfahrungen sehr wichtig! Viele Arbeitgeber können weder eine fachliche Beratung der Mitarbeiter, rechtssichere Vertragsunterlagen oder aber eine homogene Verwaltung gewährleisten. Haftungsfallen und Verwaltungsmehraufwand sind vorprogrammiert! Der Arbeitgeber muss selber entscheiden können, wem er hier das Vertrauen entgegenbringt oder auch wieder entziehen möchte.“

Betriebliche Altersversorgung hat sich bewährt

Fakt ist, dass sich der Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung seit 2002 bewährt hat und zu einer Verbreitung der betrieblichen Vorsorge geführt hat. Sicher besteht hier noch Potenzial nach oben, man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Möglichkeit der Entgeltumwandlung vor nur zwölf Jahren meist nur Führungskräften gegeben war. Und ausgehend von einer Durchdringungsquote nahe „Null“ ist die Entgeltumwandlung in vielen Unternehmen mit hohen Teilnahmequoten durchaus eine Erfolgsstory!

„Gefordert sind unseres Erachtens vor allem die Tarifvertragsparteien, die das Thema in den letzten zehn Jahren nahezu stiefmütterlich behandelt haben“, so Rüdiger Zielke, Geschäftsführer von PensionCapital. „Seit den Tarifverträgen aus 2002 und 2003 ist in den meisten Branchen nichts mehr passiert. Arbeitgeber, die die Einführung einer von Frau Nahles verordneten staatlichen Betriebsrente vermeiden wollen, sollten Ihre Verbandsvertreter dazu anhalten, die betriebliche Altersversorgung aktiv in die nächste Tarifrunde einzubringen.“


PensionCapital ist ein inhabergeführtes Beratungshaus für betriebliche Sozialleistungen. Sie steht für individuelle, lösungsorientierte Beratung und nachhaltige Konzepte. Der Hauptsitz der PensionCapital befindet sich in Bremen, darüber hinaus gibt es Niederlassungen in Düsseldorf und München. Insgesamt ist die PensionCapital in Deutschland und Österreich an sechs Standorten vertreten.