19.10.13 – Direktzusagen gefährden die Bonität, Vortrag Dr. Matthias Falk

Im Rahmen des Mandantentages der Gräwe und Partner Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Kanzlei erläuterte Dr. Matthias Falk die Problematik der betrieblichen Versorgungszusagen. Dieser Artikel fasst den Vortrag “Versorgungszusagen – Wohin mit den ungeliebten Altlasten?” zusammen.

Betriebliche Versorgungszusagen haben direkten Einfluss auf die Bonität von Unternehmen und ihren geschäftlichen Möglichkeiten. Insbesondere der Umgang mit Direktzusagen stellt eine besondere Herausforderung dar. Dr. Matthias Falk nennt als Beispiel: “Ich als Unternehmen verspreche meinem Mitarbeiter ‘Du kriegst für jedes Betriebsjahr von mir 10 EUR Rente’. 45 Betriebsjahre machen dann 450 EUR Rente. Das ist die Direktzusage. Ob und wie ich eine Rückdeckung mache, ist mir überlassen.”

Gefahr: Sinkender Rechnungszins für die Pensionsrückstellungen

Aktueller Hintergrund für den Vortrag ist der anhaltend sinkende Rechnungszins für die Pensionsrückstellungen. Dieser ergibt sich aus den sinkenden Anleihezinsen im Euroraum. Dr. Matthias Falk: “Wir haben (im vorhergehenden Vortrag, d. Redaktion) gesehen, wie die Abzinsungsfaktoren für die handelsrechtliche Pensionsrückstellung in letzter Zeit gesunken sind. Dieses langsame Runtergehen wird sich beschleunigen. Weil Korrekturfaktoren, die dort mildernd wirkten, sind zur Zeit fast alle aufgehoben. Dazu zählten beispielsweise hochrangige Unternehmensanleihen wie von Daimler oder VW. Dort konnte man vor zwei, drei Jahren für eine zehnjährige Anleihe teilweise 7 bis 8 Prozent bekommen. Heute liegen diese knapp über Bundesanleihen. Dadurch wird sich das Sinken der Abzinsungsfaktoren weiter beschleunigen. Nach meiner Vermutung werden wir schnell die 4 oder 3 Prozent und auch Werte unter 3 Prozent erreichen – wenn sich jetzt nicht schnell was ändert. Aber wir haben eben gehört (von der Bremer Landesbank, d. Redaktion), dass sich in den nächsten zwei Jahren nichts ändern wird. Je niedriger der Abzinsungsfaktor desto höher die Pensionsrückstellung. Und dementsprechend werden Unternehmen, die heute eine Pensionsrückstellung in ihrer Handelsbilanz haben, in Zukunft mit massiven Belastungen rechnen müssen.”

Direkzusagen haben Auswirkung auf die Beziehung zu Banken

PensionCapital - Vortrag Gräwe und Partner - Bonität bei Banken und LieferantenDie Direktzusagen verbunden mit den sinkenden Zinsen haben somit direkte Auswirkungen auf die Beziehungen zu Banken und zu Investoren. Dr. Matthias Falk: “Kreditgeber sehen die Pensionsrückstellungen seit einigen Jahren schon deutlich kritischer. Wurden sie früher dem Eigenkapital zugerechnet, so werden sie heute mehr und mehr dem Fremdkapital zugeordnet. Das heißt auch, die Risikoaufschläge werden höher. Nicht selten fordern die Banken ihre Mandanten auf,  die Pensionsrückstellung in irgendeiner Form aus der Bilanz zu beseitigen oder zu mindern. Auch Lieferanten beachten bei ihren Verträgen Bonitäten. Und auch hier führen hohe Pensionsverpflichtungen dazu, dass sich die Konditionen schlechter darstellen.”

Dr. Matthias Falk zeigt historische Gründe auf: “Zwar hat sich aus Sicht der heutigen Generation von Unternehmen der Innenfinanzierungseffekt (bei Direktzusagen, d. Redaktion) nicht bewährt. Die heute bestehenden Pensionsverpflichtungen werden ausschließlich als Belastung empfunden. Vergessen wird hierbei, dass der Innenfinanzierungseffekt bei den Direktzusagen ein Erfolgsfaktor für den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland war.“

Heute nutzt man andere Finanzierungsmodelle. Ein Innenfinanzierungseffekt aus der Direktzusage ist nicht mehr notwendig. Man geht heute eher auf einen periodengerechten Aufwand. „Ich als Unternehmen wende jetzt jeden Monat 50 EUR für dich als Mitarbeiter auf. Die zahle ich irgendwo hin oder spare die für dich. Und das, was hinterher herauskommt, gehört dir“, beschreibt Dr. Matthias Falk das Modell der beitragsorientierten Versorgungszusage anschaulich.

Sinkende Anleihezinsen stellen eine Belastung für Unternehmen dar. Zur Sicherung der Bonität sollten verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Beitragsorientierte Zusagen gehören dazu.

Video “Versorgungszusagen – Wohin mit den ungeliebten Altlasten?” (Vortrag bei Gräwe & Partner)


PensionCapital ist ein inhabergeführtes Beratungshaus für betriebliche Sozialleistungen. Sie steht für individuelle, lösungsorientierte Beratung und nachhaltige Konzepte. Der Hauptsitz der PensionCapital befindet sich in Bremen, darüber hinaus gibt es Niederlassungen in Düsseldorf und München. Insgesamt ist die PensionCapital Gruppe in Deutschland und Österreich an sechs Standorten vertreten.