16.06.14 – Lebensversicherungen: Mehr Sicherheit für Unternehmen und Mitarbeiter

Das Bundeskabinett hat Anfang Juni ein Maßnahmenpaket zur Stabilisierung der Lebensversicherungen in Deutschland beschlossen (Lebensversicherungsreformgesetz – LVRG). Dieses Paket wird aktuell in den Medien breit diskutiert und nach Interessenlage positiv oder negativ dargestellt.

 

Lebensversicherungen bieten mehr Sicherheit für Unternehmen und Mitarbeiter - Dr. Matthias Falk PensionCapitalWir begrüßen diesen Schritt, die Lebensversicherungen auf ein stabileres Fundament zu stellen. Insbesondere in der betrieblichen Altersvorsorge erfüllt die Reform die Wünsche der meisten Mitarbeiter.

Die wesentlichen Änderungen im Reformpaket:

  • Bewertungsreserven der Lebensversicherer dienen in erster Linie der Sicherung der gegebenen Garantien, Gutschriften für ausscheidende Versicherte werden somit reduziert;
  • Aktiengesellschaften dürfen nur dann Dividenden an die Aktionäre zahlen, wenn die Sicherung der gegebenen Garantien hierdurch nicht gefährdet wird;
  • die Aufsichtsbehörde kann variable Vergütungen an Geschäftsleiter und Mitarbeiter von Lebensversicherungen kürzen oder streichen, sofern kein Tarifvertrag dem entgegensteht;
  • Lebensversicherer können nur noch um knapp 40 Prozent geringere Abschlusskosten berücksichtigen;
  • der höchste erlaubte Garantiezins wird ab dem 1. Januar 2015 von aktuell 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent gesenkt;
  • die Versichertengemeinschaft erhält 90 Prozent der Risikogewinne statt bisher 75 Prozent.

Insgesamt soll durch dieses Reformpaket die Fähigkeit des einzelnen Versicherers zur Erfüllung der gegebenen Garantien dauerhaft gestärkt werden. Die Reform der Lebensversicherungen stellt die Mittelabflüsse an Mitarbeiter und Aktionäre der Lebensversicherer unter Aufsicht. Daneben senkt sie die Abschlussprovisionen und reduziert die Überschussleistungen an ausscheidende Versicherte. Im Endeffekt werden alle Beteiligten in den dauerhaften Fortbestand der Garantien einbezogen.

Folgen der Reform für die betriebliche Altersvorsorge

Die erhöhte Sicherheit von Lebensversicherern ist eine sinnvolle Entscheidung auch aus Sicht der betrieblichen Altersvorsorge. Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren mit ihren Mitarbeitern Betriebsrenten vereinbart. Hierbei haben sie die betriebsfremden Risiken zur Erfüllung der oftmals lebenslangen Renten auf Versicherer übertragen. Dazu zählen unter anderem Direktversicherungen, Pensionskassen, Pensionsfonds, versicherungsrückgedeckte Unterstützungskassen oder Direktzusagen.

Die Arbeitgeber müssen sich auf die Erfüllung der Garantieversprechen verlassen, da sie selbst ansonsten gegenüber den Mitarbeitern für die Erfüllung einstehen. Bei einem Ausfall der Versicherer drohen nicht zu unterschätzende Bilanzrisiken. Aus Sicht der Arbeitgeber ist der vorgelegte Gesetzesentwurf zur Reform der Lebensversicherungen zu begrüßen.

Betriebliche Altersvorsorge für Mitarbeiter weiterhin interessant

„Experten“ in den Medien proklamieren wiederholt, dass sich die Betriebsrente für die Mitarbeiter kaum lohnt. Die Realität sieht anders aus. Seriöse Untersuchungen zeigen die Vorteilhaftigkeit einer Betriebsrente – auch durch Entgeltumwandlung. Viele erinnern sich an die „alten Zeiten“, als Lebensversicherungen mit höheren Renditen warben. Berücksichtigt man allerdings die Inflationsraten, stellen wir fest, dass die reale Rendite nach Abzug der Inflationsrate heute etwa gleich hoch ist wie früher.

Ist die „Rendite“ wirklich das richtige und alleinige Kriterium? Wohl kaum. Viele Menschen schätzen die Sicherheit. Eine lebenslange und verlässliche Rente ist für viele eines der wichtigsten Ziele. Im Alter oder im Fall einer Invalidität möchte niemand plötzlich zum Armutsfall werden. Insbesondere die Betriebsrente mit ihren vielen finanziellen und gesicherten Vorteilen ist ein zentraler Bestandteil der Eigen-Vorsorge jedes einzelnen Mitarbeiters. Die vorgelegte Reform der Lebensversicherungen ist ein guter Weg zur Erreichung des Ziels. Jeder Mitarbeiter kann sich noch mehr darauf verlassen, dass das gegebene Versprechen erfüllt wird.

Entgeltumwandlung lohnt sich weiterhin

Einmal anders herum gefragt – wo sind die Alternativen? Sichere Anlagen wie Bundeswertpapiere, Tagesgelder oder Sparbücher haben eine sehr geringe Rendite. Alternative Anlageformen wie z.B. Aktien lassen zwar eine höhere Rendite erwarten – sind aber wegen der Schwankungen nicht jedermanns Sache. Diese privaten Anlagen müssen aus versteuertem Geld gekauft und die Erträge erneut versteuert werden. Zudem entfällt die enorme Förderung der betrieblichen Altersvorsorge durch den Staat und den Arbeitgeber im privaten Bereich.

Wer auf mehr Rendite setzen will, findet in der betrieblichen Altersvorsorge entsprechende Angebote. Diese verbinden ein Mehr an Renditeerwartung mit der erforderlichen Sicherheit. Jedoch: Unsere Erfahrung aus vielen Projekten zeigt, dass durchschnittlich etwa nur ein Drittel aller Mitarbeiter eine chancenorientierte Anlage wählt. Etwa zwei Drittel aller Mitarbeiter entscheiden sich für ein klassisches Produkt in der Lebensversicherung. Dies unterstreicht, dass Garantien und Sicherheit bei der Bevölkerung hochgeschätzt sind.

Sinnvolle Reform der Lebensversicherungen

Die Stärkung der Sicherheit der Lebensversicherungen ist zu begrüßen. Die PensionCapital hat seit vielen Jahren bei den Produktempfehlungen auf den hauseigenen Auswahlprozess gesetzt und die Sicherheit des Anbieters vor Renditeversprechen gesetzt. Wir fühlen uns durch die aktuellen Entwicklungen bestätigt. Unsere Kunden können weiterhin attraktive Betriebsrenten für ihre Mitarbeiter anbieten.

 

Der Autor Dr. Matthias Falk ist geschäftsführender Gesellschafter der PensionCapital GmbH (zum Xing-Profil).


Die PensionCapital GmbH ist ein inhabergeführtes Beratungshaus für betriebliche Sozialleistungen. Sie steht für individuelle, lösungsorientierte Beratung und nachhaltige Konzepte. Der Hauptsitz der PensionCapital befindet sich in Bremen, darüber hinaus gibt es Niederlassungen in Düsseldorf und München. Insgesamt ist die PensionCapital Gruppe in Deutschland und Österreich an sechs Standorten vertreten.